Italien
Ort/Gegend: Ispra, Lago Maggiore und Montebello Vicentino, Weingut Tenuta Maule
Datum: 2. bis 4. Oktober 2023
Später gestartet als geplant - immer diese vollen Terminkalender der Arbeitsbefreiten - starten wir diesmal auf Entdeckungsreise Richtung Südosteuropa. Gotthard-Tunnel schadlos überstanden.
Etwas unaufgeregter als bei unserer ersten Reise, finden wir unseren Nachtplatz gleich neben dem Lago Maggiore zwischen freilaufenden Hühnern. Installiert, spaziert und als Belohnung einen feinen Apéritiv genossen, entspannen wir und landen langsam wieder im Unterwegs-Sein.
Am nächsten Tag besuchen wir das Weingut Tenuta Maule in Montebello Vicentino (Venetien), das bereits in 5. Generation geführt wird und preisgekrönte Weine hervorbringt.
In einem Gebiet vulkanischen Ursprungs wurde das Produktionsgebäude erst kürzlich in einer futuristischen schnörkellosen Architektur errichtet und während einer privaten Führung bestaunen wir das Innenleben. Ein Mix aus traditionellen und hochmodernen Apparaturen. Natürlich inklusive Degustation. Die gekosteten Weine waren ein Genuss und vor allem auch zahlreich. Gut können wir mit unserem Van zwischen den Weinreben übernachten.




Ort/Gegend: Cafè Smeraldo, Romans, Region Friaul
Datum: 4. - 5. Oktober 2023
Wortloses Erwachen, meine Stimme ist wohl irgendwo eingekellert geblieben. Dafür ist meine Nase ein reissender Fluss, mein Hals sowas von dick, ohne dass Silvio was Falsches gesagt hätte.
Auf der Weiterfahrt plündere ich die nächste Apotheke aus, verbrauche kilometerweise Taschentücher und bedauere mich ganz fest!
Neben Giovannis kleinem Restaurant logieren wir am Seeufer und jetzt wird erstmal gepflegt.
Das Nachtessen war laut Silvio gut, habe leider nur wenig herausschmecken können. Dafür umso mehr den Grappa, beste medizinische Wirkung ever!
Musikalisch begleitet wurde der Abend durch das Gezwitscher von Wellensittichen aus der hauseigenen Volière, herrlich!





Kroatien
Ort/Gegend: Unterhalb Umag und Olivengut Papafigo, Istrien
Datum: 5. bis 8. Oktober 2023
Wenn schon Richtung Süden, dann möchten wir nun gerne etwas Meer sehen und landen in Istrien, wunderschöne Halbinsel unterhalb Umag. So, erst mal Füsse ins Wasser, Nase gut mit Salzwasser durchspülen und unseren Van möglichst unauffällig platzieren. Geniessen die Weitsicht, an einer nahen Strandbar einen Apéro, abends ist Silvio´s Küche eröffnet.
Erwachen mit Sonne und einem sich näherenden Gemeindewagen. Oups, nähert sich die oft in verschiedenen Reise-Plattformen erwähnte Obrigkeit, um mit wilden Campern die Kasse zu füllen?
Und los geht das Verhandeln, blättern schlussendlich 100 Euro hin und wissen, dies war eindeutig der falsche Ort zum Übernachten. Für diesen Preis hätte ich mindestens eine warme Dusche, frischen Kaffee und Brötchen inklusive erwartet! Schwimme nochmals fleissig, an vielen Stellen haufenweise kleine Quallen und finde, dies ist eindeutig nicht unsere Ecke!
Bin immer noch ziemlich erkältet und etwas angeschlagen, also ab ins Innere von Istrien mit etwas Infrastruktur.
Das finden wir eindeutig im Olivengut Papafigo, eingebettet in rund 350 Olivenbäume, kleines Angebot und grossartiges Restaurant. Pool, herrliche Aussicht aufs Meer und blauer Himmel entschädigen uns für den etwas schrägen Start.
Clevere Geschäftsidee, ein paar Mobilhomes und Stellplätze in diesen Olivenhain zu integrieren. Und wir lernen, dass Istrien zum sechsten Mal in Folge die beste Region der Welt für natives Olivenöl ist! Testen und kaufen! Überzeugt! Und dann erst die Weine, köstlich.
Während unserem zweitägigen Aufenthalt startet die Olivenernernte, von uns interessiert verfolgt. Die ganze Inhaber-Familie samt´Freunden und Nachbarn sind mit manuellen und technischen Hilfsmitteln am aufwändigen Pflücken. Rund 750 Kilo an einem Tag, dies ergibt ca. 100 Liter!
Da wir fast die einzigen Gäste sind, bekommen wir einen Rundumservice an Aufmerksamkeit, Geschichten und Wissen. So lässt es sich doch bestens langsam genesen!
Umag




Olivengut Papafigo





Ort/Gegend: Insel Pag, Nähe Novalja
Datum: 8. - 10. Oktober 2023
Weiterfahrt etwas abseits der in Kroatien doch noch immer sehr spürbaren Touristendichte. Die immer wieder gelobte lange Küstenstrecke Adria-Magistrale ist mit seinen vielen kleinen und grösseren in der Tat eine absolute Augenweide! Die Ortschaften an der Küste sind - ausserhalb der Altstädte - eher etwas gesichtslos, unglaublich viele Neubauten und Baustellen. Sieht ganz übel nach künftigem Gedränge in der Hochsaison aus.
In Prizna nehmen wir die Fähre auf die Insel Pag und landen erstmal in einer mehrheitlichen unbewohten und kahlen Gegend, die mich stark an die Insel Lanzerote erinnert. Sehr spannende und wechselhafte Stimmungen, kleine Buchten, Berge und ein herrliches Farbenspiel im Wasser.
In der Nähe von Novalja auf dem oberen Zipfel der schmalen Insel ist unser Platz unter Bäumen und nur ein paar Schritte vom Meer entfernt ideal, um die Markise auszufahren, auch die Hängematte wird installiert.
Erinnere Silvio an seinen Geburtstag, für einmal stehe ich in der Küche, samt Abwasch! Happy Birthday!




Ort/Gegend: Insel Vir
Datum: 11. - 13. Oktober 2023
Haben das Inselhüpfen entdeckt, die Ruhe und einfach viel Natur. Auch hier sind die wenigen Ortschaften sichtbar am Expandieren, die ursprünglichen Dörfer werden überdeckt von Neubauten ohne gelebte Geschichten.
Dafür viel Natur, satte Vegetation und überall Meer!
Fahren einen kleinen, eher abenteuerlichen Weg Richtung Wasser, nach einer kleinen Lichtung unser Traumplatz…. oh, hier steht schon jemand. Da jedoch genügend Platz vorhanden ist, bleiben wir erstmal. Wohnlich schaut es aus bei unseren Nachbarn, grosser Holztisch, Aussenküche, vielen Stühlen, Hängematte etc. Schönes Willkommen von Norbert und Hermine, die seit Jahren hier während der Vor- und Nachsaison mehrere Wochen verbringen.
Überall entdecken wir Stein- und Holzkreationen, staunen über das originellste Xylophon ever, dass einladend zwischen den Steinen am Meeresufer steht. Das Werk des quirligen Markus, der hier ebenfalls während der wärmeren Jahreszeit sein Zelt aufgeschlagen hat.
Eine unglaubliche schöne Ecke auf der Welt ist es hier, Spaziergänge von einer kleinen Bucht zur nächsten, immer wieder kleine Fischerboote, Didgeridoo-Konzert (das Trommeln konnten wir standhaft abwehren).
Markus fängt eine Hornviper ein, eindeutig zu nahe bei uns, also weiter entfernt wieder aussetzen. Überlege, ob ich meine künftigen Pipi-Ausflüge in die Büsche künftig nur noch mit Gummistiefeln oder stark stampfend machen soll.
Da unserere Nachbarn immer wieder zuviel gekocht haben, essen wir öfters „auswärts“, geselliger grosser Tisch, gute Gespräche und viel Lachen. Immer wieder Besuch von Norbert und Hermines Freunden, die im kleinen Städtchen Vir wohnen und hier neben der Schönheit der Umgebung auch die herzliche Gastfreundschaft der beiden geniessen.
Beim Sternegucken und Sinnieren über Gott und die Welt entdecken wir, dass die drei Damen mit Sternzeichen Jungfrau eine Geburtstags-Leiter vom 27., 28. und 29. August haben. Wäre eigentlich ein Grund, diese Tage nächstes Jahr gemeinsam zu feiern. Wer weiss!





Ort/Gegend: Camp Sirena, Nähe Lokva Rogoznica und Dubrovnic
Datum: 13. - 16. Oktober 2023
Wir haben die wunderbare Umgebung und die Tage in sehr angenehmer und lebendiger Gesellschaft sehr genossen, trotzdem zieht es uns wieder weiter südlich.
Auf dem kleinen Camp Sirena mit einem wunderschönen Strand finden wir wieder einmal einen Ort zum Duschen, Wäsche waschen, Wasser wechseln und da das auswärts Essen gerade so Spass macht, geniessen wir in Milan´s kleinem Restaurant ein herrliches Fischbuffet. Dies in äusserst angenehmer Gesellschaft des sympathischen älteren Paars Edith und Michèl. Er ganz französischer Monsieur, guter Erzähler mit einer fadengeraden Meinung über das „Comme il faut“ eines respektvollen, gegenseitigem zwischenmenschlichen Umgangs. Sie mit einer berührenden bodenständigen Sanftheit ausgestattet.
Da in den nächsten Tagen ein Wettereinbruch mit eher kühleren und regnerischen Witterung vorausgesagt wird, nutze ich den noch sonnigen und warmen Moment für ausgiebige Meeresschwümme, Silvio das WLAN, um unsere Webseite zu bearbeiten.
Bis anhin haben wir grössere Städte ausgelassen, aber die Altstadt von Dubrovnic steht eindeutig auf unserem Plan. Für unseren Nachtplatz haben wir ein kleines Camp über wilden Klippen ca. 20km von der Stadt entfernt gefunden, Busstation gleich in der Nähe.
Dubrovnic steht für eine Freiheit, die das übrige Land nie hatte und blieb über lange Zeit ein selbständiger Stadtstaat. Die Altstadt zählt mit seiner über 2km langen Stadtmauer zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Eindrückliche Ansicht schon von aussen, durch das Pile-Tor - eines von fünf Toren in die Altstadt - starten wir unseren Rundgang und……. erst mal im Gänsemarsch, Touristenstau, Silvio blickt ziemlich irritiert, ein Schritt vor, zwei Schritte zurück, da besteht eindeutig Fluchtgefahr! Mein mehrmaliges „Da müssen wir halt durch!“ überzeugt schlussendlich.
In der Tat eine wunderschöne kleine Stadt, erhaschen durch die Menschenmengen, geführten Gruppen und dem Luxus-Shopping verfallenen Touris immer wieder einen Blick auf Trouvaillen. Setzen uns auf einen grossen Platz, gönnen uns einen Apéro und beobachten das Gewusel. Beim Bezahlen musste ich kurz nach Luft schnappen, selbst für eine aus dem Teuerland stammende Schweizerin sind hier die Preise schlicht wahnsinnig!
Den Rundgang über die Stadtmauer für 35 Euro pro Person lassen wir aus, schlendern durch die Gassen und geniessen oberhalb der Trampelpfade ein herrliches Nachtessen auf einem kleinen Platz. Zum Abschluss haben wir den Bus verpasst, mit dem auch nicht gerade billigen Taxi fahren wir zu unserem Nachtplatz zurück. Naja, passt zu dem finanziell eher aufwändigen Tag!
Bei der morgigen Weiterfahrt über die Küstenstrasse geniessen wir sicher eine fantastische Aussicht von oben auf die Altstadt, und dies gratis!




Montenegro
Ort/Gegend: Nähe Zelenika/Nähe Mrkojevici/Camp Čuk, Donji Martinići
Datum: 17. - 21. Oktober 2023
Auch hier ein visueller Genuss, die Weiterfahrt auf der Küstenstrasse Richtung Montenegro, Sicht auf die Altstadt Dubrovnic von oben ebenso!
Leicht regnerisch und kühler, die nächsten Tage werden wettermässig sehr unbeständig, dies drohen uns leider sämtliche Wetter-Apps auf unseren Handys.
Seit langem wieder eine Grenzkontrolle auf unserer Route, ganz genau werden unsere Papiere durchleuchtet und endlich mal wieder ein Stempel im eher jungfräulichen Pass!
Ca. 20 km nach der Grenze locken ein paar Sonnenstrahlen zum Bleiben, viele Standbars haben bereits geschlossen. Dafür stossen wir auf die Bar „Vagon“, mit liebevoll in einem ehemaligen Zugabteil eingerichtete Details, bleiben bis es schlicht zu kalt wird. Die Küche bruzelt heute Abend im Tiny-House, Essen ebenfalls Indoor.
Schwelge bei der Weiterfahrt zwischen dem Dialog von Gebirge, Seen und Küste und kann mich kaum sattsehen. Bin froh, dass Silvio am Steuer den richtigen Blick auf die kurvigen und löcherigen Strassen hält. Für wenige Kilometer braucht es hier einiges an Zeit.
Fahren der vielgelobten Kotor-Bucht entlang, peilen Kotor an und staunen! Offensichtlich hat sich hier der gesamte Montenegro-Tourismus versammelt, massenweise Reisebusse, die Menschen ausspucken, unmöglich, hier irgendwo einen Parkplatz zu finden. Diesmal hindere ich Silvio nicht an seinem Rückwärtsgang!
Die Infrastrukturen in Montenegro sind ausserhalb der bekannten Orte eher einfacher und wie kein anderes Land in Südosteuropa wird es von schroffen, Bergen, steilen Schluchten und dichten Wäldern geprägt. Ich fühle mich in in diesem kleinen Staat mit seinen zahlreichen Facetten gleich wohl, obwohl natürlich auch die Armut hier immer wieder sichtbar wird.
Wir übernachten in der Natur pur bei Nadja und Chris auf ihrem Platz „Namaste“, samt Lagerfeuer und Nimmersatt-Hund Komma.
Suchen am nächsten Tag einen „Überregnungs-Ort“ mit kleiner Infrastruktur, damit wir uns im Van nicht plötzlich auf den Füssen herumtrampeln.
Im Landesinnern, nordwestlich von der Hauptstadt Podgorica, ist bei Mirko in seinem kleinen Camp „Čuk“ der ideale Platz! Wunderschöne Outdoor-Bar mit viel überdecktem Platz zum Verweilen, eingebettet in den Zeta-Naturpark. Mit viel Leidenschaft und Herzblut hat Mirko in einem Waldstück ein Bijou aus Holz geschaffen, inklusive fünf Tipi´s. Stehen auf der benachbarten weiten Wiese, gerüstet für den grossen Regen, für einmal mehr sind wir hier in der Nachsaison die einzigen Gäste.
Geniessen die Gespräche mit Mirko, das Essen aus seiner Küche und die Einsamkeit auf der Wiese. Und entdecken den von seinem Nachbarn selbstgebrannten „Dunya“, ein exzellenter Quittenschnaps, ein Grund mehr, zwischendurch die „Bar“ zu besuchen!




Albanien
Ort/Gegend: Naturschutzgebiet Nähe Velipoja
Datum: 22. - 25. Oktober 2023
Auch im Landesinnern von Montenegro ist der Herbst langsam spürbar, also weiter nach Albanien, Richtung Süden. Fahren - diesmal auf der albanischen Seite - dem Skutarisee entlang, mit 350 Quadratkilometern das grösste Binnengewässer auf dem Balkan und Heimat zahlreicher Fisch-, Vogel- und Pflanzenarten, von denen einige nur hier vorkommen. Und wir entdecken auf kleinen Inseln immer wieder Kirchen und Klöster, die teilweise bis heute noch erhalten sind.
Mein Kopf braucht einen mentalen Verdauungsprozess, viele Eindrücke möchten sich festlegen, finden den idealen Ort dazu neben Kristian´s kleinem Restaurant mit herrlichem Aussenbereich, wunderschön an einer Lagune und am Meer gelegen. Eine etwas abenteuerliche kleine Brücke führt direkt an den Strand, ausser Fischern bin ich fast die einzige Badeente. Und ja, bei über 20 Grad Wassertemperatur und Sonnenschein noch immer ein Vergnügen!
Die frisch gefangenen Fische landen unter anderem in Kristian´s Küche, wir hechten hinterher und nehmen immer mal wieder voller Vorfreude am gedeckten Tisch Platz. Und wurden nicht enttäuscht!
Der Strand ist für albanische Verhältnisse ziemlich sauber, leider ist die immer wieder erwähnte Müllproblematik - vor allem in Norden - nicht schönzureden. Bauschutt, defekte Maschinen, Haushaltsabfall findet sich völlig sinnfrei auch an den entlegensten Orten. Noch fehlt es in vielen Berreichen an einer nötigen Infrastruktur, da aber auch Albanien seit 2014 auf der Warteliste zum Eintritt in die EU steht, werden Verbesserungen erwartet. Aber für eines der ärmsten Länder in Europa hat die Müllentsorgung wohl nicht die oberste Priorität.



